Berlins queere Geschichte braucht einen sicheren Ort – dieser Ort braucht ein unerschütterliches Fundament an Vertrauen.

Symbolbild: Franz Bachinger / PixabaySymbolbild: Franz Bachinger / Pixabay

Die aktuellen Berichte über die Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft und die drohende Einstellung der Landesförderung für das geplante Archivzentrum für lesbisch-queere, feministische und sexualwissenschaftliche Geschichte, Forschung, Bildung und Kultur nehmen wir mit großer Sorge zur Kenntnis. Die Bewahrung unseres historischen Erbes hat weiterhin Priorität. Die Herausforderung liegt auch darin, die bisherigen Bestände der Beteiligten zusammenzuführen.

Doch zur Wahrheit gehört auch: Wer öffentliche Gelder erhält, muss bei der Aufarbeitung problematischer Bezüge zur Pädophilie-Bewegung der Vergangenheit absolut transparent und entschlossen handeln. Zweifel an der Integrität der Trägerstrukturen gefährden am Ende auch das gesamte Archivzentrum.

René Powilleit, Landesvorsitzender der LSU Berlin:

„Das Archivzentrum ist ein Leuchtturmprojekt für Berlin. Gerade deshalb darf es keinen Schatten der Vergangenheit geben, der unbeantwortet bleibt. Wir erwarten von der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft eine lückenlose Aufarbeitung. Den Opfern sexualisierter Gewalt sind wir es schuldig, dass keine Strukturen gefördert werden, die eine klare Distanzierung vermissen lassen. Professionalität und historische Verantwortung müssen Hand in Hand gehen.“

Die aktuelle Informationspolitik der zuständigen Senatsverwaltung und der Ansprechperson sorgt für Verunsicherung. Dass Postings erst veröffentlicht und dann kommentarlos gelöscht werden, schafft kein Vertrauen, sondern schürt Unsicherheit.

Von einem SPD-geführten Haus erwarten wir bei einem so sensiblen Thema deutlich mehr Fingerspitzengefühl und eine transparente Informationsstrategie statt defensiver Taktik.

„Wir erwarten gerade vom zuständigen Staatssekretär und der Senatorin ein unmissverständliches Bekenntnis zum Archivzentrum! Die Geschichte unserer Regenbogenhauptstadt muss für nachfolgende Generationen gesichert und zugänglich gemacht werden. Wenn die aktuelle Trägerkonstellation aufgrund fehlender Aufarbeitung untragbar geworden ist, müssen die zuständigen Akteure den Weg für neue, unbelastete Trägerstrukturen frei machen, anstatt das Projekt im Unklaren zu lassen."

Das Archivzentrum muss kommen – es ist das Gedächtnis unserer Community. Berlin darf sein queeres Erbe nicht durch politisches Zaudern gefährden.